Neue Lutherbibel

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Bearbeitung der Lutherbibel

Wie schon in den Jahren 1892, 1912, 1975, 1984, erscheint 2016 eine Revision, eine Bearbeitung der Lutherbibel. Bis in das 19. Jahrhundert hinein hatten Herausgeber, Verleger und Drucker von Lutherbibeln nach eigenem Ermessen die Texte „modernisiert“. Es gab um 1850 mindestens  zwölf im Wortlaut verschiedene Ausgaben der von Luther übersetzten Bibel. Es wuchs der Wunsch nach einer einheitlichen Ausgabe, auch weil die Bibel ja in der Schule gern im Deutschunterricht für Diktate die Grundlage war. Seit der Rechtschreibreform von 1996 und den drei nachfolgenden Änderungen der Reform, wissen viele nur zu genau, welch Verwirrung unterschiedliche Grundlagen mit sich bringen können. Der Hamburger Prediger Carl Mönckeberg gab mit seinem Aufsatz „Luthers Bibelübersetzung und die Eisenacher Konferenz (Diese arbeitete seit 1852 für die deutschen Kirchen an einer Revision)“ den entscheidenden Anstoß, dass es wirklich voranging mit einer Vereinheitlichung. Es erschien 1883 eine erste „Probebibel“. Die Menschen kritisierten jedoch die große Zurückhaltung und die „Altertümelei“ der Sprache. So wurde nochmals der Text überarbeitet und 1892 erscheint dann die erste „amtliche“ Neufassung der Lutherbibel. Doch jede Sprache verändert sich mit der Zeit und in der Zeit. So wurde immer wieder am Ton und Wortlaut der Bibelübersetzung herumgenörgelt aber auch ernsthaft Kritik geübt. Es wurde immer wieder versucht, den Text im Sprachkleid der neuen Zeit erscheinen zu lassen. Besonders in Erinnerung ist das Jahr 1975 mit der Neuausgabe des Alten und Neuen Testamentes, dass von vielen dann nur noch „Eimertestament“ genannt wurde. „Zündet man etwa ein Licht an, um es unter den Eimer oder unter die Bank zu setzen? (Markusevangelium 4, 21 / 1975). Neben dieser Übersetzungsleistung gab es noch weitere, so zum Beispiel in der Weihnachtsgeschichte, die die Menschen dann nicht wieder erkannten. Daher wurde 1984 eine weitere Bearbeitung herausgebracht, in der es statt „Eimer“ wieder „Scheffel“ hieß und die Weihnachtsgeschichte wieder mit den bekannten Worten begann. Seit dem ist die Zeit aber nicht stehen geblieben und nun kommt wieder ein Versuch, die Sprache der Bibel anzupassen, auf uns zu. Am 30. Oktober wird in vielen Gottesdiensten – auch in der Stuhrer Kirche – die neue Übertragung vorgestellt werden. Dann wir es wieder losgehen mit dem kritisieren, denn welche Übersetzung von Psalm 42 Vers 2 gefällt Ihnen nun besser? 1984: „Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.“ Oder: 2016: „Wie der Hirsch schreit nach Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.“ Luther hat übrigens zu seinen Lebzeiten die letztere Version geschrieben.

Robert Vetter